Betreuung der Eltern: Kosten und Steuerentlastung prüfen
Der PNOG-Entwurf schlägt ab 2028 zusätzliche Arbeitgeberbeiträge zur Pflegeversicherung für geringfügige Beschäftigungen vor, für Privathaushalte in Höhe von 1,5 Prozent. Damit wird ein Minijob nicht automatisch voll sozialversicherungspflichtig. Es handelt sich um einen Vorschlag des Pflegegesetzes, nicht der Rentenkommission. Für eine konkrete Finanzierung zählen die tatsächlich geltenden Beschäftigungs- und Steuerregeln.
Es gibt jedoch einen rechtssicheren und hochgradig lukrativen Ausweg, der die finanzielle Last spürbar reduziert. Durch ein wegweisendes Urteil des Bundesfinanzhofs (BFH) rückt eine bislang oft übersehene Regelung in den Fokus: Die Steuerermäßigung nach § 35a des Einkommensteuergesetzes (EStG).
Das BFH-Urteil: Ein Meilenstein für pflegende Angehörige
Das BFH-Urteil vom 12. April 2022 (Az. VI R 2/20) bestätigt: Auch selbst getragene Kosten für häusliche Pflege- und Betreuungsleistungen im Haushalt der Eltern können nach § 35a EStG begünstigt sein. Dazu können persönlich erbrachte Pflege und damit verbundene Haushaltshilfen gehören.
Entscheidend ist, dass Sie eigene Aufwendungen aus einer eigenen Verpflichtung tragen. Wer nur im Namen der Eltern unterschreibt oder deren Rechnung bezahlt, erfüllt diese Voraussetzung nicht automatisch. Im entschiedenen Fall musste genau das noch geklärt werden.
Für die heutige Steuererklärung sind außerdem die aktuellen gesetzlichen Voraussetzungen zu beachten, insbesondere Rechnung und Zahlung auf das Konto des Leistungserbringers.

Der entscheidende Punkt
Sebastian Schugar
Der steuerliche Hebel: Direkter Abzug von der Steuerschuld
§ 35a EStG mindert die Einkommensteuer direkt. § 33 EStG berücksichtigt dagegen bestimmte außergewöhnliche Belastungen bei der Ermittlung des zu versteuernden Einkommens. Welche Regel passt, hängt vom Einzelfall ab; dieselben Kosten dürfen nicht doppelt berücksichtigt werden.
Für begünstigte Pflege-, Betreuungs- und haushaltsnahe Dienstleistungen kommen 20 Prozent der selbst getragenen Arbeitskosten, höchstens 4.000 Euro im Jahr, infrage. Dieser Höchstbetrag wird mit anderen Leistungen nach § 35a Abs. 2 geteilt. Er setzt ausreichend zu zahlende Einkommensteuer voraus. 333,33 Euro im Monat wären nur der rechnerische Jahresdurchschnitt, keine monatliche Auszahlung.
Pflegegeld nach § 37 SGB XI wird hierbei grundsätzlich nicht angerechnet. Zweckgebundene Erstattungen für dieselben Leistungen, etwa Pflegesachleistungen oder der Entlastungsbetrag, mindern dagegen die berücksichtigungsfähigen Kosten.
Absolute Voraussetzung: Formale Korrektheit
Für den Steuerabzug müssen die persönlichen und formalen Voraussetzungen zusammenpassen.
Für Kinder, die Kosten übernehmen:
- Eigene Verpflichtung: Aus den Unterlagen muss hervorgehen, welche begünstigten Leistungen Sie selbst beauftragen und wirtschaftlich tragen. Eine Unterschrift nur als Vertreter der Eltern genügt dafür nicht.
- Rechnung und Bankzahlung: Sie benötigen eine Rechnung; bezahlt wird auf das Konto des Leistungserbringers. Die Zahlung muss nicht zwingend von Ihrem eigenen Konto stammen. Begünstigte Arbeitskosten müssen von Material, Verpflegung und reinen Vermittlungsleistungen getrennt erkennbar sein.
- Legale Beschäftigung: Die Betreuungskraft muss absolut rechtssicher und legal beschäftigt sein (z.B. nach EU-Entsenderecht oder im Arbeitgebermodell). Schwarzarbeit oder Scheinselbstständigkeit sind nicht nur strafbar, sondern vereiteln auch jeglichen Steuerabzug.
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